Erleben
Was wir an Schwebedialogen lieben, ist der Moment, in dem etwas auftaucht, nach dem niemand gefragt hätte. Fokussierte Gespräche finden oft gute Antworten, bleiben dabei aber in dem Ausschnitt, den ihr Blick bereits gewählt hat. In einem Schwebedialog kommt auch das Drumherum ins Bild: wie Menschen eine Situation wahrnehmen, woran sie gerade festhalten, was ihnen fehlt und was ihnen Kraft gibt oder nimmt. Darin erleben wir viel Orientierung und einen intensiven Kontakt, bei dem jede Person für ihre eigene innere Landkarte verantwortlich bleibt.
Für einen Schwebedialog rechnen wir grob mit 15 Minuten pro Person: Zu zweit dauert er meist eine halbe Stunde, zu sechst etwa eineinhalb bis zwei Stunden. Das geht sich also gut an einem Abend aus.
Paare und Familien
Je näher wir Menschen sind, desto schneller glauben wir zu wissen, was ihr Verhalten bedeutet. Schweigen heißt dann: Du willst nicht mit mir reden. Eine genaue Frage klingt wie Kritik. Wer unter Stress Ordnung schafft, wirkt kontrollierend; wer sich zurückzieht, desinteressiert. Vielleicht versucht da jemand, den Überblick zu behalten, niemanden zu belasten, eine Antwort zu finden oder erst wieder bei sich anzukommen.
Im Familienalltag ist selten Zeit, diesen inneren Gründen nachzugehen. Vieles fällt unter den Tisch, obwohl es längst mit am Tisch sitzt. Im Schwebedialog kann jede Person zeigen, was von außen nicht zu sehen war. Die anderen hören zu, ohne zu korrigieren oder sofort zu antworten. Manchmal wird dann erkennbar, wie verschieden Menschen die Welt am selben Tisch erleben und wie viel Fürsorge in einem Verhalten stecken kann, das von außen ganz anders aussieht.
Teams
In Teams wird meist das besprochen, was bereits einen Tagesordnungspunkt hat. Daneben wirkt vieles mit, für das es noch keinen Satz gibt - eine Beobachtung, ein Zweifel, Überlastung, eine Ahnung oder Wissen, das in keine Tagesordnung passt.
Am Anfang eines Projekts kann ein Schwebedialog sichtbar machen, wo jede Person steht, was sie beschäftigt und was die Zusammenarbeit erleichtern oder behindern könnte. Weil daraus noch kein To-do und keine Entscheidung werden muss, dürfen auch unfertige Gedanken auftauchen. Nach unserer Erfahrung kommen die Beteiligten dabei in kurzer Zeit tiefer miteinander in Kontakt und sehen klarer, welche Themen in ihrer Zusammenarbeit tatsächlich eine Rolle spielen. Das Format kann später wiederholt werden, wenn sich viel verändert hat oder der Blick auf die einzelnen Menschen hinter ihren Funktionen verloren gegangen ist.
Planung und Entscheidungen folgen außerhalb des Schwebedialogs; an Lösungen wird erst mit zeitlichem Abstand gearbeitet.
Fachpersonen in Beratung, Bildung und Gruppenarbeit
Fachliche Gespräche beginnen aus gutem Grund mit einer Auftragsfrage. Sie bündelt die Aufmerksamkeit; was außerhalb liegt, wird leicht übersehen. Manches Wesentliche kommt deshalb erst spät zur Sprache, anderes gar nicht, weil niemand auf die Idee gekommen wäre, danach zu fragen.
In einem vorgelagerten Schwebedialog wählen die Menschen zunächst selbst, welche Themen sie einbringen. So können Fachpersonen ihnen umfassender begegnen und früh erfahren, was sie gerade wirklich bewegt. Kolleg*innen berichten uns von einer merklich anderen Qualität der anschließenden Lösungsarbeit. Sie trennen beides bewusst voneinander - etwa mit einem Schwebedialog zum Ankommen und der weiteren Arbeit am nächsten Tag.
Weiterbildungen
Unsere Weiterbildungen richten sich an Menschen, die Schwebedialoge in Teams oder in ihrer professionellen Arbeit mit Einzelnen und Gruppen einsetzen möchten. Wer das Format anleiten will, erlebt es bei uns zuerst selbst. Danach geht es um einen tragfähigen Rahmen, Freiwilligkeit und Macht, den Umgang mit schwierigen Themen sowie die Grenzen der eigenen fachlichen Rolle.
Kontakt
Wenn du einen Schwebedialog erleben oder lernen möchtest, wie du ihn in deinem Arbeitsfeld einsetzen kannst, schreib uns.